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Mythos

Eine Runequest Kampagne

Mythos„Der graue Schleier. Er scheint in Kürze ganz von mir Besitz ergriffen zu haben. Was mag sich dahinter verbergen. Wird es die Dunkelheit sein oder das Licht? Ich habe keine Angst mehr, zu lange dauerte das Warten. Keine Ewigkeit kann schlimmer sein, als das was ich immer versuchte zu vergessen. Ich bin der letzte Sonnenträger und mit mir stirbt das Wissen. Doch keine Bitterkeit drängt sich in mir auf, denn ich weiss, dass der Tod der Beginn ist. Doch am Ende eines langen Lebens stellt ein alter Mann sich die Frage, was hat er bewirkt? Hatte das Verbergen und Hüten einen Sinn, ist nicht doch schon lange alles verloren? Und selbst wenn noch Hoffnung besteht, was gäbe es noch zu retten? Die kümmerlichen, dekadenten Reste dessen was die Ewigkeit hervorgebracht hat. Und doch soll das Zwielicht nicht beenden, was Licht, Schatten und Blut geboren haben. Doch dies wird nicht mehr mein Kampf sein. Ich kehre in den Kreis von Drichnal zurück. Möge die Zeit des Schicksals kommen.“

Ein heller Klang schwang leise durch die kleine Mansarde, die nur unzureichend von einer schmutzigen Kerze in ein wenig Licht getaucht wurde, als eine alte Hand den Federkeil zurück in den kleinen Becher legte. Der Mann, dem die Hand gehörte, drehte den Kopf und lächelte. Er hatte es nie übers Herz gebracht, diese Erinnerung verschwinden zu lassen. Doch die Furcht vor einer Entdeckung war lange vorbei. Sein kahles Haupt war von tiefen Falten durchzogen. Ein Preis, den das Alter forderte, aber ihn nie sonderlich gestört hatte. Er mochte es sogar und betrachtete sie öfters, wie sie sich durch sein Antlitz gruben. Sie waren ein Zeichen, dass die Zeit gekommen war. Und was ersehnt der Wartende mehr als ein Zeichen, dass das Warten ein Ende haben kann.

Der alte Mann erhob sich ächzend von seinem harten Stuhl aus niederem Wardholz, das schon lange begonnen hatte, erste Anzeichen von Zerfall aufzuweisen. Mit einem kräftigen Klopfen säuberte er seine schmutzbraune Robe so gut es unter diesen Umständen ging und wandte sich der Tür zu. Ein Trunk zur Nacht würde ihn vielleicht etwas erheitern. Nachdem er sich versichert hatte, dass die Tür verriegelt war, glitt er langsam aber erstaunlich ehrwürdig die knarrende Treppe in den Wirtsraum hinunter. Die Enge des Raums war fast schon absurd, aber dennoch gelang es dem Hauswirt hier stets mehr Leute zu verköstigen als man auf den ersten, flüchtigen Blick geahnt hätte. Geschickt wie ein Akrobat jonglierte Rashed die Krüge mit Dunkelfeuer um die Gestalten, die mit leicht abwesendem Blick über das Leben und ihr Unglück lästerten. Als er den neuen Gast entdeckte, war er sofort mit einem Lächeln zur Stelle:

„Aq Sanal Owain, eine Ehre dich in unseren Hallen empfangen zu dürfen. Was darf ich dir bringen? Etwas Feuer?“

Der alte Mann konnte sich ein Grinsen nicht verkneifen, er mochte Rashed. Rashed Nec Tafari hatte die Fähigkeit dem harten Leben stets eine positive Seite abzugewinnen.

„Ich danke dir, edler Nec, doch mein Geist soll heute klar bleiben. Ein wenig Schwarzwasser und Kürbisbrot mag mir genügen, auch wenn ich mich bis heute nicht am bitteren Geschmack erfreuen kann.“

Rashed lachte: „Und du wirst es auch nie, so wie ich dich kenne. Aber dein Wunsch sei mein Anliegen.“

Rashed verschwand hinter dem Holzperlenvorhang und brachte wenige Augenblicke danach die gewünschten Speisen.

„Die Nacht ist heute früh, kann das sein?“

Owain sah nachdenklich aus dem kleinen Fenster und versank ganz in seinen Gedanken.

Rashed betrachtet den alten Mann, dann das Fenster und wagte kaum über das nachzudenken, was er sprach:

„Ich hatte gehofft, ich hätte mich getäuscht, aber auch ich hatte den Eindruck. Normalerweise sind die letzten Sonnenstrahlen um 3 Uhr noch zu sehen. Was kann das bedeuten?“

Owain schaute zu Rashed auf, der wieder nachdenklich aus dem Fenster schaute:

„Nichts gutes, Rashed, nichts gutes…“

Die Zeichen waren zu offensichtlich, aber wer würde sie noch deuten wollen. Owain wandte sich still seinem Essen zu. Als er sein Mahl beendet hatte, machte er sich auf, um wieder in seine Mansarde zurückzukehren. Rashed blickte von seiner Arbeit auf:

„Möge der Schlaf dich erneuern, Owain“

Owain lächelte:

„Er wird es, Rashed, da bin ich sicher.“

Keiner der beiden hatte die Gestalt in einer der Ecken genauer betrachtet, die an ihrem Holzbecher mit Feuer nur gelegentlich nippte. Owain stieg zu seiner Mansarde auf und bereitete sich auf den Schlaf vor. Es würde sein letzter Abend sein.

 
rpg/mythos/index.txt · Zuletzt geändert: 2010/09/15 21:19 (Externe Bearbeitung)